Oratorienchor auf Fontanes Spuren im Havelland

Am Donnerstag vor Allerheiligen machten wir uns am frühen Morgen auf den Weg ins Havelland. Unser Busfahrer Martin, selbst studierter Musiker, versorgte uns mit frischem Kaffee und fuhr uns sicher ans Ziel. In Neuruppin wurden wir vom größten Martinimarkt der Region überrascht – und wir mitten drin. Ein Martinimarkt, so bunt und knallig wie wir noch keinen erlebt hatten.

Aufgrund des Marktes waren wir in vier verschiedenen Quartieren untergebracht, wo wir überall sehr herzlich willkommen geheißen wurden. Die Herzlichkeit und heitere Offenheit der Havelländer sollte uns auch in den folgenden Tagen immer wieder begegnen. Bereits am ersten Abend war eine Probe angesetzt, in der Kapelle des ehemaligen Siechenhauses – einem der ältesten Gebäude Neuruppins. Erschöpft von der langen Fahrt versammelten wir uns und waren binnen Minuten verzaubert von der guten Akustik des gotischen Raumes.

Am nächsten Morgen ging es bei strahlendem Sonnenschein nach Potsdam zu einer spannenden Stadtführung.  Beeindruckend war die Information, dass am Rand von Potsdam, direkt an der Grenze zu Westberlin, der KGB bis 1989 sein Hauptquartier hatte – unentdeckt vom westlichen Geheimdienst! Potsdam zeigte sich wunderschön saniert, mit neu rekonstruiertem Stadtschloss. Dieser schnelle Wiederaufbau war nur möglich, durch zahlreiche Spenden prominenter Gönner, wie z.B. Günter Jauch, der ein großer Wohltäter der Stadt, seiner Wahlheimat, ist. Ein Spaziergang durch das holländische Viertel mit gemütlicher Mittagspause rundete die Stadtführung ab.

Von dort ging es weiter durchs Havelland in das Dorf Ribbeck, wo wir bereits von Friedrich von Ribbeck am Birnbaum erwartet wurden. In der ev. Kirche des Dorfes sangen wir für ihn – passend zum Ort – Fontanes Gedicht „Der Birnbaum“, in der Vertonung von Bernhard Krol als Ständchen. Herr von Ribbeck zeigte sich sichtlich gerührt und erzählte, dass das Gedicht über seine Familie durchaus auf wahren Tatsachen beruhen würde. Der im Gedicht besungene junge Herr von Ribbeck sei tatsächlich sehr knausrig gewesen. Nach Besichtigung des originalen Birnbaumes, von dem nur noch ein Stumpf erhalten ist, ging es dann zurück nach Neuruppin.

Am späten Nachmittag wurden wir dann vom Neuruppiner Kantor Herrn Noack in der St. Trinitatis Kirche aufs Herzlichste Willkommen geheißen. Er freute sich sichtlich über unseren Besuch, hatte alles super vorbereitet und unser Konzert bereits sehr gut beworben. Die Generalprobe in der Kirche, zusammen mit dem Posaunenquartett Ars Bucinarum aus dem Wangener Raum, sowie dem nur zu diesem Anlass entstandenen Klavierduo bestehend aus der Wangenerin Margarete Busch und Kantor Noack, rief aufgrund des herrlichen Klanges in dieser gotischen Hallenkirche Vorfreude auf das anstehende Konzert hervor. Unser Dirigent Friedrich-Wilhelm Möller führte uns mit seiner gewohnt motivierenden und anspornenden Art humorvoll zu Höchstleistungen. 

Nach dieser erfolgreichen Probe konnten wir den Abend in schönen, kleinen Lokalen im Ort gesellig verbringen. Mehrere Wirte durften sich überraschend über ein Ständchen in ihrem Lokal freuen. So hinterließen wir manch bleibenden Eindruck.

Nach einem gemütlichen Frühstück am Samstag trafen wir uns unter dem Riesenrad zur Stadtführung durch Fontanes Geburtsstadt Neuruppin. Unsere Stadtführer Max und Axel rezitierten Gedichte von Fontane sowie auch Selbstgeschriebenes. Mit zahlreichen Geschichten und Anekdoten erweckten sie die Stadtgeschichte zum Leben. Nebenbei machten mehrere Chorsänger, angestiftet durch unseren Tenor Jens, bei der Bevölkerung Werbung für unser Konzert mit Flyern und freundlicher Ansprache. So ergaben sich lustige Gespräche und Begegnungen.

Nach kurzer mittäglicher Stärkung und Erholung mummelten wir uns in unsere wärmsten Konzertkleider und machten uns auf zur Kirche, wo wir von Herrn Noack bereits mit heißem Kaffee und Tee empfangen wurden. Vor gut gelauntem, zahlreichem Publikum war es eine große Freude das Konzert zu singen. Von Beginn an war eine Verbundenheit zwischen Musikern und Zuhörern zu spüren, die durch das ganze Konzert trug. In Erinnerung bleiben wird uns darüber hinaus vor allem der besondere Klang in dieser Kirche: Butterweich der Chor, kraftvoll und rund die Posaunen, silbern perlend das Klavier.

In gemütlicher Runde konnten wir den Abend ausklingen lassen, den Konzertklängen nachspüren und diese sehr gelungene Reise miteinander feiern. Glücklich und zufrieden sind wir jetzt zurück und freuen uns auf die nächsten Projekte des Chores.

Annika, Birgitta, Dorothea, Jutta

 

Oratorienchor in Prato